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Ergonomie bei der Pflege

Es ist wichtig, dass  Sie als Pflegende Angehörige selbst gesund bleiben. Deshalb sollten Sie immer, wenn Sie den Patienten aus dem Bett oder dem Sessel oder der Badewanne hochziehen, sich Ihrer eigenen Bewegung und Belastung bewusst sein. Es gibt einige Tricks, wie man solche Tätigkeiten mit wenig Kraftaufwand und ungefährlich für den eigenen Rücken ausführen kann.

Meine Mutter wiegt vielleicht 50, mein Vater aber 70kg. Da ist schon das physikalische Problem. Wie soll sie ihn hochziehen? Noch dazu, wenn er nicht versteht, was man von ihm will?

Nutzen Sie Ihr eigenes Gewicht, die Hebelwirkung und den Greifreflex des Patienten!

Vermeiden Sie unbedingt gebückte Haltungen mit rundem Rücken!

Sitzt der Patient vor Ihnen im Sessel, stellen Sie sich vor ihn, fassen Sie seine Hände und lehnen Sie sich mit geradem Körper und ausgestreckten Armen zurück. Wenn der Patient sich nur ein bisschen steif macht (das tut er automatisch), dann kommt er automatisch hoch. Sie brauchen keine Kraft.

Aber Achtung! Es besteht die Gefahr des Hinten-über-Kippens, wenn es zu schnell geht. Professionell macht man es eigentlich folgendermassen: Vor dem sitzenden Patienten in die Knie gehen (Rücken aufrecht und gerade), die Hände des Patienten an die eigene Hüfte legen, die eigenen Hände unter die Achseln des Sitzenden legen und dann einfach die eigenen Beine wieder strecken (Rücken bleibt gerade!). Plötzlich stehen Sie beide in Tanzhaltung senkrecht und ohne Gefahr des Über-Kippens. Die erste Variante ist aber trotzdem irgendwie einfacher.

Einen liegenden Patienten müssen Sie mit Drehen und Ziehen zunächst an die Bettkante und in Sitzposition bringen.  Zunächst winkeln Sie seine Beine an. Drehen Sie ihn dann an seiner hinteren Schulter und dem hinteren Knie auf die Seite Richtung Bettkante, dank Hebelwirkung geht das recht gut. Ziehen Sie die Beine so weit, dass die Knie über die Bettkante hängen. Richten Sie jetzt den Oberkörper auf, indem Sie am oberen Arm und unter der unteren Achsel anfassen. Und wenn er dann sitzt, geht es wie oben beschrieben.

Achten Sie immer auf ihren geraden Rücken und benutzen Sie Ihr eigenes Gewicht beim Ziehen.

Solange der Patient mitmacht, geht es schneller am ausgestreckten Arm zu ziehen. Später merkt man dann aber, dass es im Schultergelenk des Patienten knackst. Das ist dann ein Zeichen, doch lieber mehr unter den Achseln am Brustkorb anzufassen.

Einen am Boden liegenden Patienten wieder hoch zu bekommen, ist alleine ziemlich unmöglich. Noch dazu bei den beschriebenen Gewichtsverhältnissen. Es wird empfohlen, den Patienten in Bauchlage zu drehen. Dann wird er angeblich reflexmäßig von selber in Krabbelhaltung gehen. Nun kann man ihn zu einem Sessel oder Geländer leiten und dort mit Greifreflex aufrichten. Klingt eigentlich schlüssig. Hat aber bei meinem Vater nicht funktioniert. Hier waren dann immer Nachbarn und vereinte Kräfte nötig.

Das Thema Badewanne ist auch kritisch. Denn hier beugen Sie sich von der Seite her über den Patienten. Und das ist die falscheste Haltung für den eigenen Rücken, die man sich vorstellen kann. Selbst mit Badewannenlift muss man noch aufpassen. Der Lift hebt den Patienten an, bis er in Höhe des Randes sitzt. Um ihm den Hintern waschen zu können, muss er aber aufstehen. Befestigen Sie in Armlänge entfernt einen Griff an der Wand (Baumarkt). Wenn sich der Patient dort festhält (Greifreflex), hat er seinen Schwerpunkt schon nach vorn gebracht und Sie brauchen nur noch wenig schieben, damit er steht und der Hintern abhebt. Um den Patienten wieder rauszuholen, müssen Sie die Beine zu sich drehen. Das ist schwierig genug, wenn der Lift keinen Drehteller hat. So was gibt es aber als Zubehör. Der Patient sitzt zunächst auf einem flachen Teller am Badewannenrand. Dann hebt man die Beine an und dreht sie in die Badewanne rein. Der Patient dreht sich auf dem Teller mit. Dann kann man ihn mitsamt dem Teller nach hinten schieben, weil der Teller auf einer Art Schiene auch quer zur Badewanne noch rutschen kann.

Eine Treppe im Haus ist natürlich ein besonderes Problem. Die meisten Reihenhäuser sind nun aber mal so eingerichtet, dass unten Wohnraum und Küche sind und oben die Schlafzimmer. Also muss man damit zurechtkommen. Am besten geht es mit 2 Hilfspersonen. Einer geht eng neben dem Patienten, fasst ihn um die Hüfte, führt sein Gewicht nach vorn und redet auf ihn ein ("nächste Stufe, ein Bein nach vorn, ..."). Der andere geht dahinter, fasst am Hosengürtel an und mindert so die Unsicherheit beim Gleichgewicht des Patienten. Geländer zubeiden Seiten sind wichtig, damit der Patient selbst greifen kann und weniger Angst vor dem nächsten Schritt hat.

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