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Mahlzeiten (Portionierung, Besteck, Trinken, Tabletten)

Zunächst ist da das Problem der ungezügelten Ess-Sucht. Sobald etwas Essbares im Gesicht unseres Kranken auftauchte, konnte er sich nicht zurückhalten. Dagegen hilft nur eine strenge Portionierung. Die anderen am Tisch müssen sich halt daran gewöhnen, dass alle einen fertigen Teller erhalten. Große Kuchenteller oder Schüsseln zum selber nachholen  bringen dem Kranken nur Stress. Und wenn er sich mit lüsternem Blick beim Teller des Nachbarn bedient - betrachten sie es als ulkige Episode.

Und denken Sie beim Zuteilen des Essens daran, dass der Patient (zumindest im Späteren Stadium) sich nicht mehr viel bewegt. Entsprechend benötigt er auch weniger Energie. Wenn er ungezügelt weiter isst, wird er schnell zunehmen und Sie haben es bei der Pflege noch schwerer.

Ausserdem kann der Kranke nicht mehr richtig schmecken (Salz und Zucker wird verwechselt). Schlimmer ist die fehlende Vorsicht bei heissen oder kalten Dingen. Achten Sie darauf, dass der Patient nur lauwarmes Essen und Getränke bekommt. Er könnte sich sonst verbrühen.

Unser Patient hat auch einen bemerkenswerten Antrieb die Ladefähigkeit von Gabel oder Löffel zu 200% auszulasten. Schiebt er sich eine solche Ladung in den Mund, kann er natürlich weder kauen noch schlucken. Das daraus folgende Sabbern sieht nicht so schön aus. Also bleibt Ihnen nichts weiter übrig, als dabei zu sitzen und die Hälfte von seiner Gabel wieder runterzuschieben. Ein zeitraubendes Spiel.

In einem späteren Stadium der Krankheit zittert die Hand mit der Tasse, oder er schafft es nicht die Hand mit der Tasse bis zum Mund zu führen. Unterstützen Sie die Hand, aber lassen Sie den Kranken so lange wie möglich selbständig sein. Jede Tätigkeit, die Sie ihm abnehmen, wird er schnell verlernen und vergessen. Und dann wird es noch schwerer für Sie mit der Pflege.

Unser Patient nimmt auch immer nur einen Schluck aus der Tasse und stellt sie dann wieder ab. Damit ist scheinbar (in seinen Augen) der Aufforderung "Trink deinen Tee" Folge geleistet. Dass man mit mehreren Schlucken die ganze Tasse auf einmal austrinken könnte, ist eine Folge von Tätigkeiten, die der Pick-Kranke irgendwann nicht mehr planen kann. Also müssen Sie bei einer Tasse Tee etwa 10 mal sagen "Trink deinen Tee", auf die Tasse zeigen und seinen Arm unterstützen. Auch recht zeitraubend, aber man gewöhnt sich dran.

Aber trinken ist wichtig. Die Niere entgiftet den Körper. Oft werden alte Leute in miserblem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert. Dabei haben sie nur vergessen zu trinken. Wenn es mit dem Trinken aus Tasse oder Glas Probleme gibt, können Sie auch mal zur Abwechslung einen Strohhalm geben. Erstaunlicherweise löst das einen Saugreflex aus, und dazu braucht man sein Gehirn nicht.

Wenn es Probleme mit dem Halten des Bestecks gibt, besorgen Sie dem Kranken Gabeln und Löffel mit dickem Griff. So wie man es für Babies auch macht. Die lassen sich reflexmässig mit der ganzen Hand greifen und besser führen. Solches Besteck gibt es im Sanitätshaus. Aber auch in "Lebensart-Krimskrams"-Läden finden Sie Besteck mit dickem  Griff in Form von z.B. Banane oder Möhre.

In spätem Stadium der Krankheit verschwinden leider auch die Reflexe. Am schlimmsten ist es wenn das Schlucken verlernt wird. Beobachten Sie den Patienten beim Essen, erinnern Sie ihn an das Schlucken. Führen Sie die Mahlzeit nur mit dem Kranken alleine und ohne Radio oder Fernseher durch, damit er nicht von Gesprächen der anderen Personen oder sonst was abgelenkt wird und das Schlucken vergisst. Bereiten Sie die Mahlzeiten vor und geben Sie nur noch Weiches zum Essen. Meine Mutter hatte schon einmal das traumatische Erlebnis, dass er beinahe an einem Stück Semmelkruste erstickt wäre.

Da wir nicht annehmen, dass das Personal im Pflegeheim sich diese nötige Zeit beim Essen reichen nehmen könnte, haben wir etwas Bedenken ihn ins Heim zu geben. Bald würde er wohl dann per Tropf ernährt werden, alles verlernen und die letzte Lebensqualität (die Nahrungsaufnahme) einbüßen. In vielen Heimen ist es daher auch so, dass das Personal alle sonstigen Pflegemaßnahmen übernimmt, die Angehörigen aber die Fütterung übernehmen müssen. Doch irgendwann wird uns auch nichts anderes übrig bleiben.

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