Weglaufen
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Weglaufen

Mein Vater war schon immer ein Wander-Fanatiker. Diese Leidenschaft verstärkte sich durch die Krankheit noch. Beim Laufen braucht man nicht Nachdenken und kann nichts verkehrt machen. Also ist es für einen Demenz-Kranken eine angenehme Tätigkeit. Der Orientierungssinn ist beim Pick-Patienten noch lange intakt und er fand immer nach Hause. Als aber Orientierungssinn und Gleichgewichtsgefühl schwächer wurden, wurde diese Leidenschaft doch zum Problem. Er schlich sich bei jeder Gelegenheit davon. Kam aber manchmal völlig erschöpft wieder. Oder aber gar nicht und große Suchaktionen begannen.

Nun stehen Sie als Betreuer vor einem Problem. Im Gesetz steht, dass Sie einen Menschen nicht einsperren dürfen. Wiederum sind Sie als Betreuer oder Vormund dafür verantwortlich, dass dem Ihnen Anvertrauten nichts passiert. Ein Spaghat, der eigentlich nicht zu lösen ist. Im Pflegeheim ist die Situation genauso, dies sind auch keine geschlossenen Anstalten. Dort hilft man sich teilweise, indem der Eingangsbereich so verwirrend gestaltet wird, dass man nicht direkt nach draussen sehen kann. Man baut eine Hürde, die für viele Demente schon zu hoch ist.

Ähnliches können Sie sich auch ausdenken. Schliessen Sie die Haustür wenigstens abends und nachts ab und hängen Sie den Schlüssel versteckt auf. Dies ist kein Einsperren, sondern Sie kanalisieren nur, wann der Patient auf Tour geht. Denn er sollte nicht nachts unterwegs sein oder im Regen. Und er sollte richtig angezogen sein (mein Vater rannte auch mit Hausschuhen und verkehrt herum angezogener Jacke in den Wald). Ausserdem müssen die Ausflüge auch in Ihren Tagesablauf passen. Sonst reiben Sie sich völlig auf.

Entgültig verhindern können und sollten sie die Ausflüge aber doch nicht. Rüsten Sie die Tür mit einem automatischen Schließer aus (gibt's in jedem Baumarkt), damit die Haustür nicht offen stehen bleibt.

Versehen Sie die Jacke des Patienten mit einem Adress-Schild, damit ihn die Polizei zur Not nach Hause bringen kann. Oder hängen Sie ihm einen Brustbeutel um.

Klären Sie Ihre Nachbarn auf, damit alle etwas aufmerksam sind, wohin die Reise geht.

Besorgen Sie Kleidung und Schuhe zum reinschlüpfen (ohne komplizierte Schleifen oder Reißverschlüsse).

Glück haben Sie, wenn Sie einen Garten haben. Hier kann der Laufsüchtige seine Runden drehen und ist doch nicht so eingesperrt wie in der Wohnung.

Trotzdem lockt hinter jeder offenen Tür die große Freiheit. Ärgern Sie sich nicht, wenn Ihr Patient wieder ausbüchst. In der Regel findet er von selber zurück.

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